TY - THES T1 - Chronoepidemiologische und soziokulturelle Faktoren von Körperverletzungsdelikten und Vorstellung eines möglichen Präventionsmodells A1 - Dippel,Olga Y1 - 2011/07/28 N2 - Hintergrund und Ziele: Die Ätiologie von Aggressionen und gewalttätigem Verhalten wird seit langem untersucht wobei zunehmend mehr Einflussfaktoren im Rahmen dieses komplexen Phänomens identifiziert werden können. Da jeder Mensch potentiell Opfer eines Gewaltverbrechens werden kann und daraus nachhaltige physische und psychische Folgen für das Opfer und strafrechtliche Konsequenzen für den Täter resultieren können, bestand das Ziel der vorliegenden Arbeit darin, die Abhängigkeit der Körperverletzungsdelikte von verschiedenen chronoepidemiologischen und soziokulturellen Einflüssen zu untersuchen und daraus auf mögliche Präventionsfaktoren zu schließen. Methoden: Um den Datensatz homogener zu gestalten, wurden nur gefährliche und schwere Körperverletzungsdelikte nach den §§ 224/226 StGB des deutschen Strafgesetzbuches eingeschlossen. Aus der Datenbank EVioS (Erlangener Violence Studies) standen uns die Daten zu 23142 Gewaltdelikten, welche zwischen dem ersten Januar 1999 und dem 31. Dezember 2005 von der Polizei Mittelfranken erfasst worden waren, für die Analyse zur Verfügung. Diese Datenbank wurde im Hinblick auf verschiedene Einflussvariablen wie Saisonalität, Wochentag, Tatzeit, Feiertage und Ferien, sowie Alter und Geschlecht der Beschuldigten bzw. der Opfer kategorisiert. Für statistische Berechnungen wurde das statistische Softwarepacket SPSS? 16 (SPSS Inc., Chicago, IL, USA) verwendet. Ergebnisse und Beobachtungen: Körperverletzungsdelikte unterlagen einer deutlichen saisonalen Rhythmik mit Maxima in den Sommermonaten Mai, Juni und Juli und Minima im Februar, März und November. Des Weiteren ließ sich eine zirkadiane Schwankung der Häufigkeitsverteilung von Gewaltverbrechen mit einem Minimum um 6.00 Uhr, danach einem kontinuierlichen Anstieg der Häufigkeitsrate und einem Maximum um 23.00 Uhr beobachten. Ab Freitag stieg die Rate der Gewalttaten stark an und erreichte am Samstag und Sonntag ihr absolutes Maximum. Ferner traten Körperverletzungsdelikte signifikant vermehrt an Silvester und Neujahr auf. An bestimmten Feiertagen, wie Vatertag und 1. Mai, und einen Tag vor bzw. einen Tag nach dem jeweiligen Feiertag war die Rate an Gewaltdelikten signifikant erhöht. Auch während des Frühlingsfests in Nürnberg und der Bergkirchweih in Erlangen ließ sich eine signifikante Erhöhung der Körperverletzungsrate beobachten. Während der Schulferien war die Rate an Gewaltdelikten signifikant erhöht und diese Zeit besaß auch ihre eigene zirkadiane Rhythmik, die um ca. 4 Stunden nach hinten verschoben war, so dass sich ein Minimum zwischen 8.00 und 12.00 Uhr und ein Maximum zwischen 0.00 und 4.00 Uhr zeigte. Praktische Schlussfolgerungen: Verschiedene Erklärungsansätze mit sowohl biologischen als auch soziologischen Modellen können für die gefundenen Ergebnisse herangezogen werden. Die gefundenen Ergebnisse sind für verschiedene Berufsgruppen, wie Krankenhauspersonal, das in Notaufnahmen arbeitet, Sicherheitsdienste, soziale Einrichtungen und die Polizei von großer Bedeutung. Besonders im Hinblick auf die Möglichkeit der Vorhersage von Gewaltdelikthäufigkeiten und die damit verbundene Planung von Arbeitszeiten und die Einteilung von Personal könnten diese Ergebnisse Verwendung finden. Darüber hinaus könnten die Ergebnisse relevant für die weitere Grundlagenforschung von Aggression in zwischenmenschlichen Bereichen sein. KW - Gefährliche Körperverletzung KW - Körperverletzung KW - Schwere Körperverletzung KW - Jahreszeit KW - Tag KW - Feiertag KW - Schulferien KW - Prävention CY - Erlangen PB - Universitätsbibliothek der Universität Erlangen-Nürnberg AD - Universitätsstraße. 4, 91054 Erlangen L2 - http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2011/2704 ER -