TY - THES T1 - Langzeitlebensqualität bei Patienten nach multimodaler Therapie eines Rektumkarzinoms A1 - Villanueva,Marie-Therese Y1 - 2012/10/11 N2 - 1 ZUSAMMENFASSUNG 1.1 Hintergrund und Thema Die deutsche Multicenter-Studie CAO/ARO/AIO-94, deren Patienten zwischen 1995 und 2002 rekrutiert wurden, verglich die Prognose von Patienten mit neoadjuvanter und adjuvanter Radiochemotherapie (RCT) beim lokal fortgeschrittenen Rektum-karzinom. Im neoadjuvanten Therapiearm war bei geringerer Toxizität die 5-Jahres-Lokalrezidivrate signifikant niedriger als im adjuvanten Therapiearm (6% vs. 13%). Bezüglich des Überlebens war jedoch kein Unterschied festzustellen (76% vs. 74%). Nach median 11,5 Jahren wurde die Lebensqualität der noch lebenden Patienten mit präoperativer und postoperativer Radiochemotherapie verglichen. Patienten im adjuvanten Therapiearm, die keine adjuvante Therapie erhielten, bildeten eine dritte Vergleichsgruppe. Zusätzlich wurde der Einfluss des Alters, des Geschlechts, der Höhenlokalisation des Karzinoms und des Vorhandenseins eines Stomas untersucht. 1.2 Methoden Von 799 Patienten waren 2010 mittlerweile 340 Patienten (42,6%) verstorben und 8 Patienten (1,0%) aus der Nachbeobachtung verloren gegangen. 359 (79,6%) der 451 lebenden Patienten beantworteten die Fragen der EORTC QLQ-C30- und QLQ-CR29-Lebensqualitätsbögen: 190 Patienten nach neoadjuvanter RCT, 109 Patienten nach adjuvanter RCT und 60 Patienten aus dem adjuvanten Therapiearm, die wegen Understaging, postoperativer Komplikationen oder Ablehnung keine RCT erhalten hatten. Das mediane Alter der 237 Männer und 122 Frauen betrug 71 Jahre (43-88 Jahre). 1.3 Ergebnisse Beim Vergleich der drei Therapiegruppen fanden sich signifikant unterschiedliche Beurteilungen in den Bereichen soziale Funktion, Diarrhoe, häufige Stuhlgänge, fäkale Inkontinenz, unfreiwillige Darmgasentweichungen, geblähtes Abdomen, Peinlichkeit der Stuhlgänge/Stoma, Körperbild und Sorge um Gesundheit. Dabei zeigten sich fast durchgehend die günstigeren Werte in der Gruppe der Patienten ohne RCT, gefolgt von den Patienten mit neoadjuvanter RCT. Patienten mit adjuvanter RCT gaben die schlechtesten Werte an. Das Symptom Impotenz wies in allen drei Therapiegruppen die höchsten Symptomwerte auf, unabhängig davon, ob die Patienten eine RCT erhalten hatten oder nicht. Patienten mit Tumorlokalisation im oberen Rektumdrittel hatten signifikant weniger Probleme mit Inkontinenz. Patienten mit Stoma gaben bei Darm- und Kontinenzfunktion signifikant bessere Werte an. Ältere Patienten gaben mehr Funktionseinschränkungen körperlicher Art an, jüngere Patienten fühlten sich in Hinblick auf die Darmfunktion durch mehr Symptome beeinträchtigt. Frauen machten sich mehr Sorgen um ihre Gesundheit und gaben schlechtere Werte bei der Darmfunktion und der Harnkontinenz an. 1.4 Schlussfolgerung Langzeitüberlebende nach RCT haben im Vergleich zu Patienten mit alleiniger Operation eine reduzierte Lebensqualität, besonders im Hinblick auf die Darm- und Sphinkterfunktion zu erwarten. Dieses betrifft insbesondere Symptome wie Diarrhoe, häufige Stuhlgänge, Inkontinenz bezüglich Stuhl und Darmgase, geblähtes Abdomen und Peinlichkeit der Stuhlgänge/Stoma. Daher sollte die Indikation zur RCT aufgrund evidenzbasierter Kriterien erfolgen. Durch multimodale Therapiekonzepte, insbesondere die neoadjuvante RCT kann die Rate an lokoregionären Rezidiven gesenkt werden. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass das Auftreten eines Lokalrezidivs durch die Infiltration in den Nervenplexus im kleinen Becken mit sehr starken Schmerzen verbunden ist, und insofern durch die RCT auch solche Ereignisse mit sehr schlechter Lebensqualität verhindert werden können. Ist die RCT indiziert, sollte wegen der geringeren Toxizität auch in Bezug auf die Langzeitlebensqualität die neoadjuvante RCT gegenüber der adjuvanten RCT bevorzugt werden. Die Auswirkungen der multimodalen Therapie auf die Lebensqualität sollten bei der Aufklärung des Patienten vor Therapiebeginn besprochen werden. KW - Lebensqualität KW - Mastdarmkrebs KW - Europäische Organisation zur Erforschung der Krebsbehandlung CY - Erlangen PB - Universitätsbibliothek der Universität Erlangen-Nürnberg AD - Universitätsstraße. 4, 91054 Erlangen L2 - http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2012/3537 ER -