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Hinweis zum Urheberrecht

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:bvb:29-opus-27046
URL: http://www.opus.ub.uni-erlangen.de/opus/volltexte/2011/2704/


Chronoepidemiologische und soziokulturelle Faktoren von Körperverletzungsdelikten und Vorstellung eines möglichen Präventionsmodells

Chrono Epidemiological and socio-cultural factors of assaults and presentation of a possible preventive model

Dippel, Olga

pdf-Format:
Dokument 1.pdf (909 KB)


SWD-Schlagwörter: Gefährliche Körperverletzung , Körperverletzung , Schwere Körperverletzung , Jahreszeit , Tag , Feiertag , Schulferien , Prävention
Freie Schlagwörter (Englisch): Aussaults , Season , Circadian , Prevention , Holiday
Fakultät: Medizinische Fakultät
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Biermann, Teresa (PD Dr. med.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 06.07.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 28.07.2011
Kurzfassung in Deutsch: Hintergrund und Ziele:
Die Ätiologie von Aggressionen und gewalttätigem Verhalten wird seit langem untersucht wobei zunehmend mehr Einflussfaktoren im Rahmen dieses komplexen Phänomens identifiziert werden können. Da jeder Mensch potentiell Opfer eines Gewaltverbrechens werden kann und daraus nachhaltige physische und psychische Folgen für das Opfer und strafrechtliche Konsequenzen für den Täter resultieren können, bestand das Ziel der vorliegenden Arbeit darin, die Abhängigkeit der Körperverletzungsdelikte von verschiedenen chronoepidemiologischen und soziokulturellen Einflüssen zu untersuchen und daraus auf mögliche Präventionsfaktoren zu schließen.

Methoden:
Um den Datensatz homogener zu gestalten, wurden nur gefährliche und schwere Körperverletzungsdelikte nach den §§ 224/226 StGB des deutschen Strafgesetzbuches eingeschlossen. Aus der Datenbank EVioS (Erlangener Violence Studies) standen uns die Daten zu 23142 Gewaltdelikten, welche zwischen dem ersten Januar 1999 und dem 31. Dezember 2005 von der Polizei Mittelfranken erfasst worden waren, für die Analyse zur Verfügung. Diese Datenbank wurde im Hinblick auf verschiedene Einflussvariablen wie Saisonalität, Wochentag, Tatzeit, Feiertage und Ferien, sowie Alter und Geschlecht der Beschuldigten bzw. der Opfer kategorisiert.
Für statistische Berechnungen wurde das statistische Softwarepacket SPSS™ 16 (SPSS Inc., Chicago, IL, USA) verwendet.

Ergebnisse und Beobachtungen:
Körperverletzungsdelikte unterlagen einer deutlichen saisonalen Rhythmik mit Maxima in den Sommermonaten Mai, Juni und Juli und Minima im Februar, März und November. Des Weiteren ließ sich eine zirkadiane Schwankung der Häufigkeitsverteilung von Gewaltverbrechen mit einem Minimum um 6.00 Uhr, danach einem kontinuierlichen Anstieg der Häufigkeitsrate und einem Maximum um 23.00 Uhr beobachten. Ab Freitag stieg die Rate der Gewalttaten stark an und erreichte am Samstag und Sonntag ihr absolutes Maximum. Ferner traten Körperverletzungsdelikte signifikant vermehrt an Silvester und Neujahr auf. An bestimmten Feiertagen, wie Vatertag und 1. Mai, und einen Tag vor bzw. einen Tag nach dem jeweiligen Feiertag war die Rate an Gewaltdelikten signifikant erhöht. Auch während des Frühlingsfests in Nürnberg und der Bergkirchweih in Erlangen ließ sich eine signifikante Erhöhung der Körperverletzungsrate beobachten. Während der Schulferien war die Rate an Gewaltdelikten signifikant erhöht und diese Zeit besaß auch ihre eigene zirkadiane Rhythmik, die um ca. 4 Stunden nach hinten verschoben war, so dass sich ein Minimum zwischen 8.00 und 12.00 Uhr und ein Maximum zwischen 0.00 und 4.00 Uhr zeigte.

Praktische Schlussfolgerungen:
Verschiedene Erklärungsansätze mit sowohl biologischen als auch soziologischen Modellen können für die gefundenen Ergebnisse herangezogen werden. Die gefundenen Ergebnisse sind für verschiedene Berufsgruppen, wie Krankenhauspersonal, das in Notaufnahmen arbeitet, Sicherheitsdienste, soziale Einrichtungen und die Polizei von großer Bedeutung. Besonders im Hinblick auf die Möglichkeit der Vorhersage von Gewaltdelikthäufigkeiten und die damit verbundene Planung von Arbeitszeiten und die Einteilung von Personal könnten diese Ergebnisse Verwendung finden. Darüber hinaus könnten die Ergebnisse relevant für die weitere Grundlagenforschung von Aggression in zwischenmenschlichen Bereichen sein.
Kurzfassung in Englisch: Introduction:
The aetiology of aggressions and violent behaviour has been examined for a long time and more and more influencing factors of this complex phenomenon have been discovered. Because every human being can potentially become a victim of violent crimes resulting in suffering from lasting physical and psychological consequences for the victim and serious legal implications for the perpetrator, the aim of the present study was to examine the influence of chrono epidemiological and sociocultural parameters on the incidence of serious crimes of battery in a defined sample and to draw possible conclusions for prevention.

Methods:
This population-based study included 23,142 assaults (according to §§ 224/226 StGB of German criminal law) that were recorded in Bavaria, Germany, from 1999 to 2005 from the data base EVioS (Violent Studies of Erlangen), data was drawn from the files of the police Department of Middle Franconia. All data has been recorded in the data base EVioS and was categorized according to different criteria, e.g. seasonality, weekday, time of crime, bank holidays and holidays as well as age and sex of the culprits or the victims.
The statistical software package SPSS™ 16 for Windows (SPSS Inc., Chicago, IL, USA) was used for statistical computations.

Results:
Violent injury crimes were dependent on a clear seasonal rhythm with a maximum in the summer months May, June and July and with a minimum in the months February, March and November. Moreover, we could observe a circadian fluctuation of the frequency distribution concerning violent-related crime with a nadir at 6.00 a.m. and after that a continuous rise of the rate with a peak at 11.00 p.m.. From Friday onwards the rate of violent crimes increased considerably and reached its total maximum on Saturday and Sunday. Furthermore, there were significantly more crimes of battery on New Year’s Eve and New Year’s Day.
At certain bank holidays, as for example Father’s Day and the 1st May as well as one day before or one day after these holidays, the rate of assaults was significantly raised. Also during the spring public festival in Nuremberg and the “Bergkirchweih” in Erlangen we could observe a substantial increase of the violent injury rate. During the school holidays, the rate of crimes of battery was significantly higher and this period of time had its own circadian rhythm which was postponed for about 4 hours in relation to time periods without major holidays. Consequently, we could realize a minimum between 8.00 and 12.00 a.m. and a maximum between 0.00 and 4.00 a.m.

Conclusions:
Several biological as well as sociological explanations are discussed to further explain mechanisms of aggression and the incidence of violence. The acquired results are of great importance for different professions, especially regarding the possibility of foreseeing the frequency of violent crimes. Thus the findings of our study could be used to plan and organize working hours of hospital staff working at emergency centres, security services, social institutions and the police. Furthermore, the results obtained in this study might be helpful to further elucidate biological mechanisms of violence and the incidence of aggression.


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Letzte Änderung: 01.11.10